Am Vormittag des 12. Januars bin ich von Kiel aus nach Tetenbüll in Eiderstedt gefahren, um dort eine in Teilen karrharderfriesische Handschrift von Christian Feddersen (1786-1874), Begründer der „Friesischen Bewegung“, zurückzugeben, die ich am 12. Dezember 2021 zufällig im dort privat verwahrten Teilnachlass der berühmten Familie Feddersen aus Westerschnatebüll gefunden hatte und freundlicherweise zwecks Fotokopierens und Abschreibens ausleihen durfte. Sie trägt den Titel Epistola Encyclica, stammt aus der Zeit um 1857 und ist leider unvollständig. Weil sie für karrharderfriesische Verhältnisse allerdings eine relativ alte Quelle darstellt, möchte ich den erhaltenen Teil in der kommenden Ausgabe des Nordfriesischen Jahrbuchs veröffentlichen und beizeiten meine Abschrift in den Thesaurus des Nordfriesischen hochladen. Bei dieser Gelegenheit habe ich den feddersenschen Nachlass noch einmal gezielt nach dem fehlenden Teil der Handschrift durchsucht – leider erfolglos.
Von Tetenbüll bin ich weiter zum Nordfriisk Instituut in Bredstedt gefahren, um dessen Direktor Dr. Christoph Schmidt endlich persönlich ein Exemplar meiner bereits im Sommer veröffentlichten Dissertation Der Kompass der Nordfriesen für die Fachbibliothek zu überreichen und mich über den Entwicklungsstand der sich gerade im Entstehen befindlichen, für den nordfriesischen Schulunterricht zukünftig wegweisenden Einrichtung Nordfriisk Liirskap zu erkundigen.
In Bredstedt habe ich anschließend noch Ritva Århammar besucht, um ihr bei Schwarztee und Kuchen davon zu berichten, dass auf den Fotoplatten aus dem Nachlass von Fritz Braun (1892-1981), die sie in den Sammlungen ihres verstorbenen Mannes Nils Århammar (1931-2022) gefunden und mir am 28. Dezember 2023 mit auf den Weg nach Kiel gegeben hatte, damit ich sie dort der Universitätsbibliothek der Christian-Albrechts-Universität überreiche, leider keine Kopie des sog. Jenaer Glossars enthalten ist. Ritva hat außerdem über die zeitaufwendige Arbeit an der mehrbändigen, in Kooperation mit Horst Haider Munske entstehenden Sammelausgabe aller wichtigen und vergriffenen Veröffentlichungen ihres Mannes berichet.
Zuletzt bin ich weiter nach Niebüll gefahren, um dort zu übernachten, und fand spät am Abend eine interessante Mail in meinem Postfach. In den vergangenen Tagen war ich online auf der Suche nach einem seit dem Zweiten Weltkrieg in Berlin verloren gegangenen Steinobjekt mit Runeninschrift von Amrum, das erstmals in einem Grabungsbericht von Otto Olshausen (1840-1922) beschrieben und als Zeichnung abgebildet wurde. Seitdem meine Kollegin und frühere Dozentin für diachrone skandinavistische Sprachwissenschaft Dr. Christiane Zimmermann mich vor ein paar Jahren darauf aufmerksam gemacht hatte und weil auf dem Gebiet des heutigen Nordfriesland bisher kaum Runeninschriften entdeckt wurden, bin ich immer wieder versucht gewesen, mich mit diesem Steinobjekt zu befassen. Ich erhielt also letztlich diese Mail mit der Information, dass der archäologische Nachlass Olshausens zwar noch vor dessen Tod im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin eingegangen war, jedoch größtenteils durch Kriegseinwirkung zerstört wurde oder verschollen ist. Man bot mir allerdings an, eine eingehende Archivrecherche durchzuführen, falls ich einen Eintrag für das gesuchte Steinobjekt im an die Mail angehängten Scan des handschriftlichen Archivkatalogs aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg finde und dort eine Signatur vermerkt ist. Genau das habe ich getan und wurde zügig fündig, weshalb ich noch am selben Abend um eine Archivrecherche gebeten habe. Nun verbleibe ich äußerst gespannt, wann und ob es überhaupt Neuigkeiten zu diesem Objekt geben wird.
Am 13. Januar bin ich morgens um 9:35 mit der Fähre von Dagebüll nach Wyk auf Föhr gefahren, um ab 11 Uhr in Alkersum an der feierlichen, offiziellen Verabschiedung des langjährigen Vorsitzenden der Ferring Stiftung Prof. Dr. Volkert Faltings teilzunehmen. Es gab Reden von Faltings selbst, von Robert Kleih (neuer Vorsitzender und ehemaliger Student des Faches Frisistik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel), Erk Roeloffs (Kuratoriumssprecher), Jens Quedens (auch in Vertretung für Dr. Alastair Walker), Prof. Dr. Thomas Steensen und einigen Mitarbeiter*innen der Ferring Stiftung sowie vorzügliche musikalische Begleitung von Mattis Brodersen aus Oldsum. Anschließend lud die Ferring Stiftung noch zum Mittagessen in Grethjens Gasthof. Um 15:15 habe ich die Fähre zurück nach Dagebüll genommen und meine Rückreise nach Kiel angetreten.

©Christoph Winter
CW
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