Das Fach Frisistik des Instituts für Skandinavistik, Frisistik und Allgemeine Sprachwissenschaft (ISFAS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat am 26. Februar eine Tagung mit dem Titel Nordfriesland in Kiel. Wissenschaftliche Perspektiven auf eine vielfältige Region abgehalten. Geplant und organisiert wurde die Vortragsveranstaltung von Dr. Wendy Vanselow und mir unter Einbezug von Johannes Friehs, der sich als studentische Hilfskraft um das Funktionieren der involvierten Technik gekümmert hat, und der Fachschaft Frisistik (neben Friehs auch vertreten durch Fenja Oestreich und Joke Autzen), die die Tagungsteilnehmer*innen mit Kaffee, Kuchen und Waffeln versorgt hat.
![NF in Kiel, Poster [Final]](https://christophwinter.com/wp-content/uploads/2024/02/nf-in-kiel-poster-final.jpg?w=601&h=851)
Das Programm sah in seiner letzten Fassung aus wie folgt:
08:20-08:30: Begrüßung (Dr. Christoph Winter & Dr. Wendy Vanselow)
08:30-09:00: Die Einwanderung der Friesen im Früh- und Hochmittelalter: aktuelle archäologische Forschung in Nordfriesland (Dr. Bente Majchczack)
09:15-09:45: Mehr als nur Fragmente? Nordfriesland in den ‚Preußischen Jahrbüchern‘ (1858–1935) (Jan Ocker, M. A.)
10:00-10:30: Abseits des Mainstreams – Hexenverfolgung in Nordfriesland in der Frühen Neuzeit (Dr. Rolf Schulte)
10:45-11:15: Nordfriesisch vor Gericht (Ann-Kathrin Reinders, Ass. iur, B. A.)
11:30-12:30: Mittagspause
12:30-13:00: ‚Wenn sich die Welt zu meiner Verdammung empörte‘. Szenen aus dem unsteten Leben des Detlef Petersen (1753-1801) aus Westerschnatebüll (Dr. Christoph Winter)
13:15-13:45: ‚E müse baigänden än täi jiter bänen än et koorn to spilen‘: der und– sowie zu-Infinitiv in den wiedingharderfriesischen Texten von Peter Jensen (1861-1939) (Thede Thießen, M. A.)
14:00-14:30: Überlegungen zu Straßennamen auf den nordfriesischen Geestinseln (Lea Vanselow, M.Ed.)
14:45-15:15: Die nordfriesischen Flaggenlieder von Nis Albrecht Johannsen und Ferdinand Zacchi im Vergleich (Dr. Wendy Vanselow & Johannes Friehs)
ab 15:30: Kaffee und Ideen

©Ute Vanselow
Den Anstoß zu Nordfriesland in Kiel gab ein Zeitungsartikel über Hexenverfolgung mit dem Titel Folter und Hinrichtungen an der Westküste, den Dr. Rolf Schulte am 7. Februar 2022 im Nordfriesland Tageblatt veröffentlicht hatte. Als Reaktion darauf hatte ich ihn Mitte April desselben Jahres gebeten, einen Aufsatz über dieses Thema für das Nordfriesische Jahrbuch zu schreiben (der inzwischen auch veröffentlicht worden ist, vgl. unten). Aus dem Gedanken, darüber hinaus auch einen Rahmen für einen inhaltlich entsprechend ausgerichteten Vortrag zu schaffen, ist letztendlich diese Tagung erwachsen.
Nordfriesland in Kiel sollte allerdings nicht nur spannende Vorträge bieten. Wir hatten uns das übergeordnete Ziel gesetzt, sowohl Wissenschaftler*innen und Studierende aus allen Fachbereichen als auch Lai*innen anzuregen, sich mit Nordfriesland zu beschäftigen – in all seinen Facetten. Wir wollten mit Nordfriesland in Kiel nicht nur den Wissenschaftstransfer fördern, sondern insbesondere auch Impulse für den interdisziplinären Austausch geben. Das Tagungsprogramm schloss deshalb mit einem offenen, Kaffee und Ideen genannten Gesprächsformat. Es sollte den Tagungsteilnehmer*innen die Gelegenheit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen, fächerübergreifend Forschungsfragen zu entwickeln und ggf. an Interessierte weiterzuvermitteln – an Studierende etwa. Zu unseren Zielen gehörte außerdem, mit Nordfriesland in Kiel direkt zur Entstehung von Aufsätzen und ähnlichen Arbeiten beizutragen, die dann ihren Weg in einschlägige Veröffentlichungsorgane finden mögen – wie etwa in das schon genannte Nordfriesische Jahrbuch.
Vier der acht Vorträge gestaltete das Fach Frisistik mit Beiträgen seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter, seiner studentischen Hilfskraft und seiner Promovierenden Ann-Kathrin Reinders (Ass. iur, B. A.) und Thede Thießen (M. A.). Als Vortragende konnten darüber hinaus Dr. Bente Majchczack vom Institut für Geowissenschaften, Jan Ocker (M. A.) und Dr. Rolf Schulte vom Historischen Seminar sowie Lea Vanselow (M. A.) vom Germanistischen Seminar gewonnen werden. Nordfriesland in Kiel bot dadurch Vortragsthemen aus den Bereichen Archäologie, Geschichte, Jura, Sprache und Literatur. Moderiert von Dr. Wendy Vanselow und mir entwickelten sich im Anschluss an die Vorträge einige Diskussionen mit facettenreichen fachspezifischen Beiträgen, die beispielhaft das Potenzial interdisziplinär ausgerichteter Veranstaltungen dieser Art aufzeigten und auch weiterführende Fragestellungen aufwarfen. Für eine besonders ausgedehnte und lebhafte Diskussion sorgten beispielsweise die für die schleswig-holsteinische Sprachpolitik und Sprachplanung heiklen, jedoch sehr relevanten Ergebnisse des Vortrags Nordfriesisch vor Gericht, mit denen Ann-Kathrin Reinders offenbar den weitaus größten Teil ihres Publikums überraschte. Während die meisten Vorträge bisher nicht näher untersuchten Forschungsgegenständen gewidmet waren, konnten die übrigen Beiträge bestehende Untersuchungsergebnisse ergänzen oder einen gründlichen Einblick in laufende Forschungsprojekte liefern.
Die Veranstaltung erfreute sich mit rund fünfzig Tagungsteilnehmer*innen einer starken, alle Erwartungen übertreffenden Resonanz. Es konnten u. a. Kolleg*innen sowie Studierende zahlreicher Fächer der Christian-Albrechts-Universität, Dr. Jan Schlürmann aus dem Schleswig-Holsteinischen Landtag, Vertreter*innen des Nordfriisk Instituut in Bredstedt und der Ferring Stiftung in Alkersum auf Föhr, Mitarbeiterinnen des Friisk Funk und des NDR, einige Schüler*innen der Jernved Danske Skole in Dänischenhagen und andere Interessierte begrüßt werden. Nachdem die Rückmeldungen der Vortragenden und anderer Tagungsteilnehmer*innen sowie die per Mail eingegangenen Reaktionen auf das Programm durchweg sehr positiv ausgefallen sind, möchten die Veranstaltenden Nordfriesland in Kiel als einmal jährlich stattfindende Tagung etablieren und das Programm zukünftig auch unter Einbezug CAU-externer Expertisen gestalten. Voraussichtlich ab Mitte 2024 wird das Fach Frisistik auf seiner Homepage und in verschiedenen Rundmails darüber informieren, wie es mit Nordfriesland in Kiel nächstes Jahr konkret weitergeht. Interessierte Leser*innen werden an dieser Stelle aufgerufen, Kontakt mit uns aufzunehmen, wenn sie ihre Adresse in den Verteiler aufnehmen lassen möchten.
Bibliographische Angaben:
- Friehs, Johannes, Carolin Klöhn & Wendy Vanselow. 2024. „Wat san we duch rik heer foon gölj. Die nordfriesischen Flaggenlieder von Nis Albrecht Johannsen und Ferdinand Zacchi im Vergleich“. In: Nordfriesisches Jahrbuch 59, S. 175-198.
- Schulte, Rolf. 2022. „Folter und Hinrichtungen an der Westküste“. In: Nordfriesland Tageblatt (7.2.2022), S. 9.
- Schulte, Rolf. 2024. „Hexenverfolgung in Nordfriesland“. In: Nordfriesisches Jahrbuch 59, S. 33-53.
- Vanselow, Lea & Alastair Walker. 2024. „Die Mehrsprachigkeit Nordfrieslands im Spiegel der Straßennamen“. In: Zwischen Eider und Wiedau, S. 182-191.
- Winter, Christoph. 2024. „Ein Nordfriese im Russischen Kaiserreich. Aus dem Leben des karrharderfriesischen Informanten von Bacmeister und Pallas“. In: Nordfriesisches Jahrbuch 59, S. 7-31.
CW
Nachtrag (6. März 2024):
Karin Haug hat am 6. März um 20:40 in einem ca. dreiminütigen Beitrag zu Frasch for enarken (= Teil der Radiosendung Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant, NDR 1 Welle Nord) über Nordfriesland in Kiel berichtet.
CW