Projekte

Erarbeitung eines Gesamtnordfriesischen Onlinewörterbuchs (GNOWB)

In Planung

Ab 2025: Digitalisierung der zur Nordfriesischen Wörterbuchstelle gehörenden Zettelkartei (inkl. Bestandserhaltungsmaßnahmen)

In Planung

Ab 1. Oktober 2024: Digitalisierung der zur Nordfriesischen Wörterbuchstelle gehörenden Tonaufnahmen

Das Archiv der Nordfriesischen Wörterbuchstelle (ISFAS, CAU Kiel) verfügt nicht nur über eine ca. 920.000 Wörterbuchzettel umfassende Kartei, sondern auch über eine umfangreiche Sammlung von Tonbändern mit Aufnahmen in zahlreichen (inzwischen teilweise ausgestorbenen) nordfriesischen (sowie in einigen Fällen auch niederdeutschen und südjütischen) Dialekten, die zwischen 1954 und 1978 von verschiedenen Mitarbeitern der Wörterbuchstelle (wie etwa Dietrich Hofmann, Nils Århammar, Hans Christian Nickelsen oder Alastair Walker) mit Gewährsleuten in Nordfriesland angefertigt wurden. Insgesamt umfassen die Aufnahmen ca. 500 Stunden Forschungsdaten. Die älteren, stark gefährdeten Tonbänder (ca. 150 Stunden) wurden 2001 im Rahmen eines ersten, vom Bund finanzierten Projekts umformatiert und auf CD überspielt. Die Umkopierung der restlichen, jüngeren Tonbänder (ca. 350 Stunden) war das Ziel eines Nachfolgeprojekts, für das der Nordfriesischen Wörterbuchstelle im Jahr 2002 ein Zuschuss aus Bundesmitteln gewährt wurde. Diese Tonbänder wurden 2002/2003 nach Marburg geschickt, wo sie von Prof. Hermann Künzel, Leiter der Phonetik-Abteilung des germanistischen Instituts der Philipps-Universität, akustisch bearbeitet, umformatiert und auf CD überspielt wurden.

Neben den Tonbandaufnahmen der Nordfriesischen Wörterbuchstelle existiert auch ein umfangreiches Korpus von Tonaufnahmen, die Nils Århammar zwischen 1959 und 1970 auf den Inseln Föhr und Amrum angefertigt hat und der Wörterbuchstelle in Kopie auf 170 CDs vorliegen. Darüber hinaus hat Nils Århammar auch dafür gesorgt, dass die nordfriesische Mundart der Insel Helgoland umfänglich dokumentiert wurde. Dieses dritte Korpus umfasst Tonaufnahmen mit über 300 Stunden Laufzeit.

Diese drei Korpora sind bis heute nur anteilig ausgeschrieben und nie systematisch ausgewertet worden. Das größte Problem an den bisher vorgenommenen Bestandserhaltungsmaßnahmen ist allerdings, dass das Medium CD als Datenträger heute weder zeitgemäß ist, weil moderne technische Geräte inzwischen ohne CD-Laufwerk produziert werden, noch über eine klar definierte Haltbarkeit verfügt. Gebrannte, d. h. nicht professionell gepresste CDs können die Zeit zwar durchaus 30 Jahre unbeschadet überstehen, jedoch leider auch nach nur 5 Jahren schon funktionsunfähig werden.

Seit dem 1. Oktober 2024 ist deshalb Johannes Friehs als studentische Hilfskraft am Fachbereich Frisistik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angestellt, um eine qualitätsverlustfreie Digitalisierung der archivierten CDs (erst die Datenträger der Nordfriesischen Wörterbuchstelle, später das Material von Föhr, Amrum und Helgoland aus den Sammlungen Århammars) vorzunehmen und auf zwei verschiedenen externen Festplatten zu speichern. Die so durchgeführten Bestandserhaltungsmaßnahmen werden mit Sachmitteln des Collegium Philosophicum gefördert und sollen in der Entstehung eines digitalen Archivs münden, das einen effizienten zeitgemäßen Zugriff auf die Tonaufnahmen ermöglicht, so die Einbindung der Daten in Forschung und Lehre vereinfacht und darüber hinaus die Grundlage für zukünftige wissenschaftliche Projekte bilden soll. Vorstellbar sind etwa gemeinsame (auch drittmittelgeförderte) Projekte mit dem Fachbereich Linguistik & Phonetik mit dem Ziel der Transkription und systematischen Auswertung der Tonaufnahmen und die (teilanonymisierte) Zurverfügungstellung der Forschungsdaten für wissenschaftliche Zwecke über eine Online-Datenbank. Die gesicherten und aufgearbeiteten Daten könnten schließlich auch in das geplante Gesamtnordfriesische Onlinewörterbuch (GNOWB) eingehen.

CW

Seit 15. Mai 2024: Umstellung des „Thesaurus des Nordfriesischen“ auf das Open-Access-Prinzip

Seit dem 15. Mai 2024 ist eine studentische Hilfskraft (zunächst: Fenja Oestreich, ab dem 1. Dezember: Levke Beyersdorf) mit Fördermitteln des Collegium Philosphicum am Fachbereich Frisistik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angestellt, um sich mit der Umstellung des Thesaurus des Nordfriesischen auf das Open-Access-Prinzip zu befassen. Darum geht es:

Prof. Dr. Jarich Hoekstra hat am Fach Frisistik des Instituts für Skandinavistik, Frisistik und Allgemeine Sprachwissenschaft (ISFAS) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel bis zu seiner Pensionierung im April 2022 den Thesaurus des Nordfriesischen aufgebaut: eine bisher ausschließlich universitätsintern nutzbare Online-Datenbank für digitale Abschriften nordfriesischsprachiger Quellen (d. h. Sachtexte, Prosatexte, Gedichte, Theaterstücke usw.), für Glossare, Grammatiken und Bibliographien, die nicht nur verschiedene Recherchemöglichkeiten, sondern auch den direkten wissenschaftlichen Zugriff auf friesische Sprachdaten optimieren soll und der Frisistik dadurch seit vielen Jahren unschätzbare Dienste erweist. Innerhalb der Datenbank sind die gesammelten Materialien zunächst nach friesischen Dialekten sortiert, auf der zweiten Ordnungsebene nach Materialtypen (Texte, Glossare, Grammatiken, Bibliographien) und anschließend alphabetisch nach den Namen ihrer Urheber und Urheberinnen. Unter einer Überschrift wie beispielsweise „Jap Peter Hansen (1767–1855), Westerland“ werden dementsprechend Hansens Werke jeweils mit vollständiger bibliographischer Angabe aufgelistet und über einen Download-Link mit PDF-Dateien verknüpft, die die digitalen Abschriften der betreffenden Quellen enthalten.

Weil auch abseits des akademischen Umfeldes der CAU das Interesse am Thesaurus stetig gewachsen ist, soll die Einrichtung der Datenbank möglichst bis 2025 auf das Open-Access-Prinzip umgestellt und die enthaltenen Materialien damit der Öffentlichkeit frei zugänglich sowie unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Bevor das allerdings möglich ist, müssen in einigen Fällen die Inhaber und Inhaberinnen der Rechte an diesen Quellen festgestellt und um eine Lizenz für die Online-Zurverfügungstellung der darauf basierenden digitalen Abschriften im Rahmen des Thesaurus gebeten werden. Die Aufgabe der studentischen Hilfskraft ist es nun, diese Lizenzen einzuholen.

CW

1. November 2023 bis 31. März 2024 (abgeschlossen): Inventarisierung der zur Nordfriesischen Wörterbuchstelle gehörenden Zettelkartei

Die im Jahr 1950 gegründete und heute in den Fachbereich Frisistik (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) integrierte Nordfriesische Wörterbuchstelle verfügt über eine umfangreiche Zettelkartei zur Lexik aller nordfriesischen Dialekte, die sowohl Exzerpte aus unzähligen Drucken, Handschriften und Tonbandaufnahmen als auch Erstaufzeichnungen aus dem Munde nordfriesischsprachiger Gewährsleute umfasst. Sie ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen, von zahlreichen Frisisten und Schreibkräften betriebenen Sammeltätigkeit, die bereits im Jahr 1906 aufgenommen wurde und in der Veröffentlichung eines großen gesamtnordfriesischen Wörterbuchs münden sollte. Dieses Ziel ist allerdings nie erreicht worden, weil die Arbeiten aufgrund einer ganzen Reihe von Faktoren mehrfach unterbrochen, umstrukturiert und wiederaufgenommen werden mussten, dann ab Mitte der 1970er zugunsten der Erstellung verschiedener Wörterbücher für einzelne nordfriesische Dialekte in den Hintergrund geraten waren und schließlich ganz von der Einrichtung des Thesaurus des Nordfriesischen abgelöst wurden. Spätestens seit der Pensionierung von Dr. Alastair Walker im Jahr 2013 hatte ich mich gefragt, was aus der Zettelsammlung werden sollte. Weil ich der Meinung bin, dass das Material in seiner gegenwärtigen Form mindestens gesichert und zugänglich gemacht werden muss, habe ich am 26. Juni 2023 ein ausführliches erstes Gespräch über mögliche Bestandserhaltungsmaßnahmen und Digitalisierungsstrategien mit Vertretern der Universitätsbibliothek geführt.

Um das weitere Vorgehen besser planen zu können, bedurfte es zunächst einer Inventarisierung des Zettelmaterials. Ich hatte deshalb die Einrichtung einer Hilfskraftstelle aus unseren Haushaltsmitteln veranlasst und meine Kollegin Dr. Wendy Vanselow in das Verfahren einbezogen. Durch ihre tatkräftige Unterstützung war unsere Masterstudentin Carolin Klöhn für insgesamt fünf Monate (1. November 2023 bis 31. März 2024) à 60 Stunden als wissenschaftliche Hilfskraft angestellt, um in Zusammenarbeit mit unserer engagierten studentischen Hilfskraft Johannes Friehs eine Inventarisierung der Wörterbuchkartei vorzunehmen. Im Rahmen dieses Projekts konnten folgende Ergebnisse erzielt werden:

  • Insgesamt 504 Sinneinheiten, auf die das Zettelmaterial in den Räumlichkeiten des Fachbereichs Frisistik verteilt ist (Archivkästen, Briefumschläge usw.), wurden in einer Excel-Tabelle erfasst und mit einer Signatur versehen, die Aufschluss über die Standorte dieser Einheiten (Raum, Schrank, Fach usw.) geben. Dadurch lässt sich das gegenwärtig untereinander bestehende räumliche Verhältnis dieser Einheiten auch rekonstruieren, wenn sie aufgrund der bis 2027 anstehenden Umbaumaßnahmen in der Leibnizstraße einen neuen Standort erhalten.
  • Alle Formen der Beschriftung, mit der man die Sinneinheiten im Laufe der Zeit versah, wurden festgehalten.
  • Ausgewählte Informationen über die jeweils in den Sinneinheiten enthaltenen Zettel wurden dokumentiert – etwa deren Menge in gemessenen Zentimetern, aus der sich nach probeweiser Auszählung eine Zettelzahl pro Zentimeter und auf dieser Grundlage annäherungsweise auch eine Gesamtzahl von ca. 920.000 archivierten Wörterbuchzetteln errechnen ließ.

Blog (1.11.2023) - Inventarisierung©Christoph Winter

Mit den gewonnenen und weiteren, im Rahmen eines kleinen Digitalisierungsprojekts noch zu erhebenden Daten soll schließlich die Grundlage für einen Antrag auf Finanzierung eines größeren Projekts zur Wiederaufnahme der Arbeiten am großen gesamtnordfriesischen Wörterbuch geschaffen werden. Ich bin nämlich der Überzeugung, dass sich dieser lang gehegte Traum der Frisistik und eigentliche Ursprung des Fachs an der CAU in Form eines Online-Wörterbuchs doch noch realisieren lässt und die umfangreiche, brachliegende Arbeit früherer Forschergenerationen so einen würdigen Abschluss finden kann.

Zu den Aufgaben, mit denen sich Klöhn im Rahmen ihrer Anstellung beschäftigt hat, gehörte außerdem das Anfertigen von Abschriften verschiedener sylterfriesischer Theaterstücke des gebürtigen Keitumers Waldemar Henningsen (1883-1965), die sie im Rahmen einer privaten Rechercheinitiative aufgespürt und für diesen Zweck von Henningsens Nachkommen ausgehändigt bekommen hatte. Ihre Titel lauten Haike Rinken’s Skeksaal! Drama ön trii Abtochen, Di [Söl’ring] Löögenhals: en Sölring Komedi ön trii Aptoggen und Inge! En Sölring Komeedi ön trii Aptochen. Die Abschriften sollen zeitnah in den Thesaurus integriert werden.

CW

Ab 1. April 2023: Tondokumentation des Karrharder Friesischen

Das Ziel des Projekts ist die dringend notwendige Tondokumentation des heute noch gesprochenen Karrharder Friesischen. Dabei handelt es sich um einen der zehn nordfriesischen Hauptdialekte, der zur Zeit seiner größten geographischen Verbreitung in den Kirchspielen Leck (hier nur in den Dörfern Klintum und Osterschnatebüll), Stedesand (inkl. Westerschnatebüll und Trollebüll) sowie Enge-Sande (inkl. Schardebüll, Engerheide und Soholm) gesprochen wurde (vgl. hierzu auch Walker & Wilts 2001, darin Karte 1 und Jabben 1931: 12-13) und heute im Verdacht steht, ausgestorben zu sein. In Ton dokumentiert ist das Karrharder Friesische fast ausschließlich auf einer relativ geringen Zahl alter Tonbänder mit überwiegend kurzen Aufnahmen, die verschiedene Mitarbeiter der Nordfriesischen Wörterbuchstelle zwischen 1954 und 1970 im Rahmen der Erhebungen für das seinerzeit geplante, jedoch nie abgeschlossene Gesamtnordfriesische Wörterbuch durchgeführt haben. Einige Jahre später bezog Alastair Walker in das Korpus, das er seiner Dissertation über das Bökingharder Friesische (Walker 1980) zugrunde legte, auch Beispiele für angrenzende Dialekte mit ein und interviewte dafür die mutmaßlich letzte Sprecherin der Osterschnatebüller Dorfmundart. Weitere Tonaufnahmen hatten die Mitarbeiter der Nordfriesischen Wörterbuchstelle dem Karrharder Friesischen im Anschluss daran nicht mehr gewidmet. Im Rahmen eines Seminars zum Karrharder Friesischen, das im Sommersemester 2022 stattfand (UnivIS: 051264), gelang es jedoch schließlich, einen Sprecher zu identifizieren, der in Trollebüll mit Karrharder Friesisch als L1 aufgewachsen war, seit Jahrzehnten in der Diaspora lebt und sich zu einem Interview bereit erklärte. Die erfolgreiche Suche und nicht zuletzt diese neue Tonaufnahme selbst, die Hinweise auf weitere noch lebende Sprecher der Trollebüller Dorfmundart enthält, legen nahe, dass es gegenwärtig noch ein kleines Zeitfenster, d. h. eine letzte Chance gibt, deutlich jüngeres Karrharder Friesisch als das, was zwischen 1954 und 1977 aufgenommen wurde, in Ton zu dokumentieren.

Relevant ist dieses Projekt, weil das Karrharder Friesische nicht nur im Hinblick auf seine Dokumentation, sondern auch ganz allgemein in der Forschung häufig vernachlässigt wurde. Das äußert sich beispielsweise darin, dass es bis heute lediglich in einer stark kritisierten Lautlehre aus dem Jahr 1931 (vgl. Jabben 1931, Löfstedt 1931/1932) sowie in einer einzigen Spezialuntersuchung zum Thema „Finite Verb Doubling“ (Hoekstra 2016) als Hauptuntersuchungsgegenstand behandelt wurde und weder eine Grammatik noch ein Wörterbuch dieser Mundart jemals im Druck erschienen ist. Eine Ursache dafür mag sein, dass der Dialektstatus des Karrharder Friesischen wiederholt infrage gestellt wurde (vgl. etwa Riecken 2013: 210): es sei kein nordfriesischer Hauptdialekt, sondern eine Untermundart des Bökingharder Friesischen. Ein Korpus zur Trollebüller Dorfmundart, die als westlichster Vertreter des Karrharder Friesischen geographisch unmittelbar an das Sprachgebiet des Bökingharder Friesischen angrenzt, historisch durch die Lecker Au von diesem Nachbardialekt getrennt war und bis 2022 offenbar noch nie dokumentiert wurde, kann also zur Klärung der Frage beitragen, ob sie entweder eine Übergangsmundart darstellt und hinsichtlich des Verhältnisses von Bökingharder und Karrharder Friesisch tatsächlich eher ein Dialektkontinuum vorliegt oder sich stattdessen eine (deutliche) Dialektgrenze definieren lässt. Weiter können die so erhobenen und aufbereiteten Sprachdaten in ein zukünftiges Wörterbuchprojekt einbezogen werden und das gesamtnordfriesische Korpus im Thesaurus des Nordfriesischen ergänzen. Sie ermöglichen außerdem einen Vergleich mit dem Karrharder Friesischen, das auf den alten Tonbändern der Nordfriesischen Wörterbuchstelle erhalten ist, lassen u. U. eine spezifisch karrharderfriesische Studie zum Thema Spracherosion zu, wenn es sich (mindestens) bei einem Teil der Informanten um Semisprecher handeln sollte, und könnten Einblicke in die Rolle der Diaspora im Hinblick auf das Überleben eines Dialekts liefern.

Am Beginn des Projekts steht zunächst eine systematische Auswertung der einschlägigen Literatur zu den Themen „Karrharder Friesisch“ und „Trollebüll“. Die daran anschließende Phase umfasst die nicht auf Nordfriesland beschränkte Suche nach den letzten Sprechern des Karrharder Friesischen – insbesondere der Dorfmundart von Trollebüll – auf Grundlage der im Jahr 2022 gewonnenen Informationen sowie durch gezielte Einwohnerbefragungen in den Gemeinden Stedesand und Enge-Sande. In Abhängigkeit von den Ergebnissen der Suche und der Kontaktaufnahme mit den Gewährsleuten gilt es, Handlungsoptionen abzuwägen und die potenziellen, individuell auf die Informanten abgestimmten Inhalte der Interviews in einem Leitfaden zu erarbeiten. Daraufhin erfolgt die eigentliche Aufnahme der Gewährspersonen, wobei der Umfang der Interviews je nach Qualität der Sprecher variieren wird und u. U. beliebig erweiterbar sein mag. In der daran anschließenden Phase werden die Tonaufnahmen abgeschrieben und die Transkripte in mehreren Durchgängen überprüft. Zuletzt soll auf Grundlage des Umfangs und der Qualität der Ergebnisse entschieden werden, wie die Sprachdaten als Korpus aufbereitet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden können.

Literatur

  • Hoekstra, Jarich. 2016. „Beyond Do-Support and Tun-Periphrasis: The Case of Finite Verb Doubling in Karrharde North Frisian“. In: Journal of Germanic Linguistics 28. S. 317-348.
  • Jabben, Oltmann Tjardes. 1931. Die Friesische Sprache der Karrharde. Breslau: Hirt.
  • Löfstedt, Ernst. 1931/1932. [Rez.] „Oltmann Tjardes Jabben, Die friesische Sprache der Karrharde. (Schriften der Baltischen Kommission zu Kiel. Bd. XIX). Breslau 1931, F. Hirt. 6.– RM“. In: Teuthonista. Zeitschrift für deutsche Dialektforschung und Sprachgeschichte 8. S. 238-243.
  • Riecken, Claas. 2013. „Nordfriesisch – anders fokussiert“. In: Jarich Hoekstra (Hg.): Twenty-Nine Smiles for Alastair. Freundesgabe für Dr. Alastair G. H. Walker […] (Estrikken / Ålstråke 94). Kiel: Christian-Albrechts-Universität, Abteilung für Frisistik / Nordfriesische Wörterbuchstelle. S. 209-223.
  • Walker, Alastair. 1980. Die nordfriesische Mundart der Bökingharde. Zu einer strukturell-dialektologischen Definition der Begriffe ‚Haupt-‚, ‚Unter-‚ und ‚Dorfmundart‘ (Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Beihefte 33). Wiesbaden: Steiner.
  • Walker, Alastair & Ommo Wilts. 2001. „Die nordfriesischen Mundarten“. In: Horst Haider Munske (Hg.): Handbuch des Friesischen = Handbook of Frisian Studies. Tübingen: Niemeyer. S. 284-304.

CW

1. Oktober 2016 bis 24. September 2020 (abgeschlossen): Der Kompass der Nordfriesen (Dissertationsprojekt)

Mein Dissertationsprojekt Der Kompass der Nordfriesen befasst sich aus raumlinguistischer Perspektive mit der sprachlichen Kodierung absoluter Orientierung am Beispiel der Himmelsrichtungen und Richtungspartikeln im Nordfriesischen. Maßgeblich inspiriert wurde diese Arbeit von Lokalisationen wie del tod Nôarden ‚runter nach Norden‘, ep jitter Horbel ta ‚rauf nach Horsbüll‘, dat ååster likapundāl Boord ‚das östliche senkrechte Brett [am Tisch]‘, Det wiar de Hukstuul üüb e Waastereeg faan e Boosel ‚Das war der Eckstuhl auf der Westseite des Tischs‘ usw., die aus der standardsprachlichen Perspektive des Hochdeutschen Fragen aufwerfen: heißt es nicht rauf nach Norden? Wieso ist Horsbüll oben, obwohl das Kirchspiel nicht mal einen Meter über dem Meeresspiegel liegt, und warum kann die Position von Möbel(teile)n mit den Himmelsrichtungen beschrieben werden, wenn Europäer nach der gängigen Lehrmeinung eigentlich daran gewöhnt sind, nur geografische oder größere immobile Objekte auf diese Weise zu lokalisieren? Es wird dargelegt, dass die vier genannten Angaben und vergleichbare nordfriesische Lokalisationen durch ein absolutes Orientierungsvermögen ihrer Urheber ermöglicht wurde, das auf der charakteristischen Topographie Nordfrieslands sowie auf davon abhängigen siedlungsstrategischen Traditionen beruhte.

Finanziert wurde dieses Projekt durch ein dreijähriges Promotionsstipendium der Ferring Stiftung zur Einrichtung einer Doktorandenstelle am ISFAS (CAU, Kiel) (1. Oktober 2016 bis 30. September 2019) und ein sechsmonatiges Brückenstipendium des Collegium Philosophicum (Philosophische Fakultät, CAU) zur Abschlussfinanzierung des Promotionsprojekts (1. November 2019 bis 30. April 2020). Die Ergebnisse wurden unter dem Titel Der Kompass der Nordfriesen. Sprachliche Kodierung absoluter Orientierung am Beispiel der Himmelsrichtungen und Richtungspartikeln im Nordfriesischen als Beiheft Nr. 194 der Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik (Franz Steiner Verlag, Stuttgart) veröffentlicht und mit dem Elise-Reimarus-Preis 2023 ausgezeichnet. Für frisistische Verhältnisse traf dieses Buch durch Artikel u. a. in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und in Die Tageszeitung (taz) auf ein überdurchschnittlich breites Medieninteresse.

Bibliographische Angabe:

  • Winter, Christoph. 2023. Der Kompass der Nordfriesen. Sprachliche Kodierung absoluter Orientierung am Beispiel der Himmelsrichtungen und Richtungspartikeln im Nordfriesischen (Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik, Beihefte 194). Stuttgart: Franz Steiner Verlag [Dissertation, CAU Kiel]. [559 Seiten] [doi.org/10.25162/9783515134859]

Preise:

  • Elise-Reimarus-Preis 2023 (Druckkostenzuschuss in Höhe von 4.000,- €) für Der Kompass der Nordfriesen, verliehen durch die Akademie der Wissenschaften in Hamburg

Medien:

  • Artikel und Pressemitteilung von Dagmar Penzlin zur Verleihung des Elise-Reimarus-Preises 2023 mit dem Titel „Frisist Christoph Winter hat den Elise-Reimarus-Preis 2023 erhalten“: Aktuelle Nachrichten / Pressemitteilungen, Akademie der Wissenschaften in Hamburg, 20.11.2023.
  • Artikel der Nordfriesland-Redaktion zur Verleihung des Elise-Reimarus-Preises 2023 mit dem Titel „Preis für Christoph Winter“: Nordfriesland, September 2023 (Nr. 223), S. 4.
  • Interview mit Harff-Peter Schönherr über die Ergebnisse meiner Dissertation Der Kompass der Nordfriesen für seinen Artikel „Der Fleck auf der westlichen Backe“ in: Die Tageszeitung, 11.09.2023 (Nr. 13205), S. 23 [auch online auf taz.de unter dem Titel „Die Tricks der Nordfriesen“].
  • Interview mit Wolfgang Krischke über die Ergebnisse meiner Dissertation Der Kompass der Nordfriesen für seinen Artikel „Südlich der Teetasse“ in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2023 (Nr. 183), S. N 4 [auch online auf faz.net (via F+)].
  • Interview mit Dagmar Penzlin über die Ergebnisse meiner Dissertation Der Kompass der Nordfriesen unter dem Titel „Der Kompass der Nordfriesen: Wie Landmarken, Himmelsrichtungen und mentale Karten des nordfriesischen Milieus Sprachgebrauch beeinflussen“: Themen und Positionen, Akademie der Wissenschaften in Hamburg, 17.07.2023.
  • Pressemitteilung von Dagmar Penzlin zur Verleihung des Elise-Reimarus-Preises 2023 mit dem Titel „Frisist Christoph Winter erhält den Elise-Reimarus-Preis 2023“: Pressemitteilungen, Akademie der Wissenschaften in Hamburg, 13.07.2023.
  • Radio-Interview mit Kerrin Ketels über meinen Vortrag in der Ferring Stiftung am 20.03.2022 für ihren (ca. elfminütigen) Beitrag „Kompass der Nordfriesen Richtungsangaben uun a fresk spriik“: FriiskFunk, Offener Kanal Westküste, 31.03.2022 [auch online in der Mediathek des Offenen Kanals Westküste].
  • Radio-Interview (friesischsprachig) mit Thede Thießen über die Ergebnisse meiner Dissertation Der Kompass der Nordfriesen für seinen (ca. dreiminütigen) Beitrag „Kompass in der Sprache“: Frasch for enarken (= Teil der Radiosendung Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant), NDR 1 Welle Nord, 10.03.2021, 20:05-21:00 [auch online in der Mediathek des NDR 1]

CW